Du betrachtest gerade Ausbildung zum Journalisten – alle Wege, Gehalt und Voraussetzungen

Ausbildung zum Journalisten – alle Wege, Gehalt und Voraussetzungen

Journalist werden – das klingt nach Abenteuer, nach großen Geschichten, nach dem Finger am Puls der Zeit. Und daran ist einiges dran. Was viele nicht wissen: Der Einstieg in diesen Beruf ist ungewöhnlich offen und vielschichtig. Es gibt keinen einzigen vorgeschriebenen Weg, kein Pflichtabitur, keine Einheitslehre. Was zählt, sind Neugier, Schreibvermögen und die Bereitschaft, sich in Themen hineinzugraben, die man zunächst nicht kannte.

Gleichzeitig ist Journalismus kein Beruf für Menschen, die Stabilität und klare Strukturen suchen. Die Branche wandelt sich rasant. Print schrumpft, Digital wächst, Video und Podcast gewinnen an Gewicht. Wer heute Journalist wird, muss flexibel sein – in den Formaten, in den Themen und in der Art, wie man Geschichten erzählt. Wer das als Chance begreift statt als Bedrohung, hat die richtige Einstellung für diesen Beruf.

Wie wird man Journalist? Die verschiedenen Wege

Journalismus ist einer der wenigen Berufe in Deutschland, für den es keinen einheitlichen, gesetzlich geregelten Ausbildungsweg gibt. Das bedeutet: Es gibt mehrere legitime Einstiege – und alle haben ihre Berechtigung.

Das Volontariat

Der klassischste und in Deutschland am weitesten verbreitete Einstieg ist das Volontariat. Dabei arbeitet man für in der Regel zwei Jahre in einer Redaktion – Zeitung, Online-Medium, Rundfunk oder Agentur – und lernt den Beruf direkt in der Praxis. Viele Volontäre besuchen parallel Kurse an Journalistenschulen oder Bildungszentren, die von Verlagen oder Rundfunkanstalten organisiert werden. Das Volontariat ist bezahlt, die Vergütung liegt je nach Medium und Region zwischen etwa 1.000 und 1.500 Euro brutto im Monat.

Die Journalistenschule

Renommierte Journalistenschulen wie die Deutsche Journalistenschule in München, die Henri-Nannen-Schule in Hamburg oder die Kölner Journalistenschule bieten strukturierte Ausbildungsgänge an, die Theorie und Praxis eng verzahnen. Der Einstieg ist hart: Die Bewerberzahlen übersteigen die Plätze um ein Vielfaches, und Aufnahmetests sind anspruchsvoll. Wer einen Platz bekommt, absolviert eine der besten journalistischen Ausbildungen, die es gibt.

Studium plus Praxis

Viele Journalistinnen und Journalisten haben zunächst ein Fachstudium absolviert – Politikwissenschaft, Wirtschaft, Naturwissenschaften, Geschichte – und dann über Praktika, freie Mitarbeit und ein Volontariat in den Beruf gefunden. Dieser Weg dauert länger, bietet aber den Vorteil eines echten Fachprofils. Wer über Wirtschaft schreibt und Betriebswirtschaft studiert hat, hat eine andere Glaubwürdigkeit als jemand, der das Thema nur journalistisch gelernt hat.

  • Volontariat in einer Redaktion – der klassische, praxisnahe Einstieg
  • Journalistenschule – strukturiert, hochselektiv, sehr wertvoll
  • Studium der Kommunikationswissenschaft oder eines Fachgebiets plus Praktika
  • Freie Mitarbeit und Quereinsteig aus einem anderen Beruf
  • Duales Studium Journalismus an einigen Hochschulen
Tipp zum Lesen:  Verdienstmöglichkeiten in der Data-Science-Welt

Was man als Journalist können muss

Journalismus ist ein Handwerk – und wie jedes Handwerk lässt es sich lernen. Im Kern geht es darum, Informationen zu beschaffen, zu überprüfen, einzuordnen und verständlich zu vermitteln. Das klingt simpel. Die Ausführung ist es nicht.

Pressekonferenzraum mit Mikrofonstativ und Kameras – professionelle Journalismus-Umgebung

Schreiben ist die Grundkompetenz – aber nicht irgendwie schreiben, sondern klar, präzise, interessant. Wer einen Sachverhalt so erklären kann, dass ihn jemand ohne Vorkenntnisse versteht, ohne dabei ungenau zu werden, hat eine der wichtigsten journalistischen Fähigkeiten. Dazu kommen Recherche – das systematische Suchen, Prüfen und Einordnen von Quellen –, Interviewführung, das Einschätzen von Nachrichtenwert und die Fähigkeit, unter Zeitdruck zu arbeiten.

In modernen Redaktionen kommen technische Kompetenzen hinzu: Content-Management-Systeme bedienen, einfache Bild- und Videobearbeitung, SEO-Grundlagen, Social-Media-Kenntnisse. Wer nur schreiben kann, ist heute nur halb so wertvoll wie jemand, der seinen Text auch multimedial aufbereiten kann.

  1. Schreiben lernenTexte verfassen, überarbeiten, kürzen – guter Journalismus beginnt damit, den ersten Entwurf als Rohmaterial zu betrachten, nicht als Ergebnis.
  2. Recherche betreibenQuellen finden, prüfen, einordnen – Journalisten glauben nicht, sie überprüfen. Das ist der wichtigste Unterschied zwischen Journalismus und Meinung.
  3. Interviews führenFragen stellen, zuhören, nachhaken – ein gutes Interview entsteht durch Vorbereitung und die Fähigkeit, auf Antworten wirklich einzugehen.
  4. Multimedial arbeitenTexte, Bilder, Audio, Video, Social Media – wer nur in einem Format denkt, ist in modernen Redaktionen eingeschränkt.
  5. Unter Druck arbeitenDeadlines sind real. Wer in einer Nachrichtenredaktion arbeitet, muss schnell und trotzdem sorgfältig sein – das ist eine eigene Kompetenz.

Gehalt im Journalismus

Journalismus ist kein Beruf, den man des Geldes wegen wählt – das ist keine Klage, sondern eine ehrliche Beschreibung der Branche. Volontäre verdienen zwischen 1.000 und 1.500 Euro brutto im Monat. Berufseinsteiger nach dem Volontariat kommen je nach Medium und Region auf 2.000 bis 2.800 Euro brutto. In öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und großen Verlagen gibt es Tarifverträge, die die Vergütung regeln und meistens besser sind als in kleinen Privatmedien.

Tipp zum Lesen:  Was lernt ein Auszubildener als Mechatroniker?

Wer als freier Journalist arbeitet – und das tun viele, freiwillig oder gezwungen –, verdient sehr unterschiedlich. Erfahrene Freie mit festem Kundenstamm können gut leben. Wer gerade anfängt, kämpft oft mit niedrigen Zeilenhonoraren und unregelmäßigen Aufträgen. Die Selbstständigkeit im Journalismus erfordert unternehmerisches Denken neben dem journalistischen Handwerk.

💡 Tipp: Wer Journalist werden möchte, sollte so früh wie möglich praktische Erfahrungen sammeln – Schülerzeitungen, Onlineblogs, Lokalradio, Stadtmagazine. Redaktionen schauen bei Volontariatsbewerbungen sehr genau auf Erfahrung und Veröffentlichungen. Wer nichts vorzuweisen hat, hat es deutlich schwerer.

Voraussetzungen und Bewerbung

Für ein Volontariat wird oft ein abgeschlossenes Hochschulstudium erwartet – vorgeschrieben ist es aber nicht. Was wirklich zählt: ein überzeugendes Portfolio mit Textproben, Erfahrungen in Praktika oder als freier Mitarbeiter, und ein Bewerbungsschreiben, das zeigt, dass man schreiben kann. Wer sich für ein Volontariat oder eine Journalistenschule bewirbt, sollte das Anschreiben selbst als journalistischen Text betrachten – überzeugend, klar, auf den Punkt.

Wer wissen möchte, wie man ein starkes Anschreiben verfasst, findet im Artikel Anschreiben Tipps und Muster konkrete Hilfe. Wer seinen Lebenslauf für eine Medienbewerbung optimieren möchte, liest am besten Soft Skills im Lebenslauf – denn Kommunikationsstärke, Eigeninitiative und Neugier sind genau die Eigenschaften, die Redaktionen suchen und die man konkret belegen sollte.

Zusammenfassung: Es gibt keinen einzigen Weg in den Journalismus – Volontariat, Journalistenschule und Studium plus Praxis sind alle legitim. Was zählt, sind Schreibvermögen, Recherchekompetenz und nachweisbare Erfahrung. Das Gehalt ist moderat, die Arbeit vielseitig und die Branche im Wandel.

Journalismus ist ein Beruf für Menschen, die die Welt verstehen und erklären wollen – täglich neu, unter Druck, mit dem Anspruch, fair und präzise zu sein. Wer das antreibt, hat die wichtigste Voraussetzung bereits mitgebracht.

Tipp zum Lesen:  Kreative Berufe für Quereinsteiger

Häufige Fragen

Über ein Volontariat in einer Redaktion ist der Einstieg ohne Studium möglich. Was zählt, sind Textproben, Praktikumserfahrung und Eigeninitiative – etwa durch eine Schülerzeitung, einen Blog oder freie Mitarbeit bei einem Lokalmedium. Journalistenschulen verlangen teilweise kein Studium, sind aber extrem selektiv.
In der Regel zwei Jahre. Manche Häuser bieten auch Kurzvolontariate von zwölf bis achtzehn Monaten an, besonders im Online-Bereich. Das Volontariat ist bezahlt – die Vergütung liegt typischerweise zwischen 1.000 und 1.500 Euro brutto im Monat.
Das Volontariat findet direkt in einer Redaktion statt – man lernt durch Tun. Die Journalistenschule bietet eine strukturiertere Ausbildung mit Kursen, Workshops und Praktika in verschiedenen Medien. Beide sind anerkannte Wege, die Journalistenschule gilt aber als besonders renommiert.
Kommunikationswissenschaft oder Medienwissenschaft sind naheliegend. Genauso wertvoll ist ein Fachstudium – Wirtschaft, Politik, Naturwissenschaften – kombiniert mit journalistischen Praktika. Ein Fachprofil macht Journalisten in ihrer Nische glaubwürdiger und gefragter.
Die Branche ist im Wandel – Print verliert, Digital gewinnt, freie Mitarbeit nimmt zu. Wer flexibel ist, mehrere Formate beherrscht und sich ein Netzwerk aufbaut, kann gut in diesem Beruf arbeiten. Absolute Jobsicherheit gibt es nicht – das gilt aber für viele kreative Berufe.
  • Beitrags-Autor:
  • Beitrags-Kategorie:Ausbildung
  • Beitrag zuletzt geändert am:26. Juli 2026